Sanierungsablauf
Bauabschnitt Pratau-Wartenburg. Querprofile. Hochwasserstände seit 1926
 
 
Abschnitt eingeweiht
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 12. November 2015
 
Es ist regnerisches Wetter am Dabruner Weinberg. Mitarbeiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) laufen am Mittwochmorgen den Deich entlang zu zwei Schildern auf dem neu gebauten Verteidigungsweg. Auf dem einen Schild prangt das Landeswappen, das andere ziert das Logo des Bauunternehmens Meyer aus Berlin. Ein Band wird gespannt. Es ist Einweihung. Der Umweltminister kommt.
 
Es ist etwa 10 Uhr, als sich Hermann Onko Aeikens (CDU) mit dem Tross vom „Ortskern“ des Weinbergs in Bewegung setzt. Kurz vor dem Band wird haltgemacht. Kurze Ansprachen umrahmen den festlichen Akt.
 
„Das ist kein Karnevalsscherz, sondern Ernst“, eröffnet Burkhard Henning, Direktor des LHW, in Richtung des Kemberger Bürgermeisters Torsten Seelig (CDU). „Aber sehr schöner Ernst!“, gibt der zurück. Seelig ist bekanntermaßen überzeugter Karnevalist. Im Auto hängt schon das Kostüm. So kurz vor 11.11 Uhr muss das alles perfekt durchgeplant sein.
 
Bei aller Feierlaune aber wird man schnell wieder ernst. Gelobt werden viele - vor allem aber die Anwohner und die Landwirte, die den Bautrubel mit maximaler Gelassenheit ertragen hätten. „So ein Bauvorhaben, das kriegt man nur hin, wenn man an einem Strang zieht“, erklärt Burkhard Henning.
 
Der Landesbetrieb kümmert sich um 2.906 Kilometer Gewässer erster Ordnung. Im Landkreis Wittenberg werden diese von rund 300 Kilometern Deichen im Zaum gehalten. Im Stadtgebiet von Kemberg liegen 16 davon, elf Kilometer sind mit der Fertigstellung des 1.100 Meter langen des Bauabschnitts zwischen „Zehn Ruten“ und dem Dabruner Weinberg ertüchtigt.
 
„Jetzt fehlt noch ein Stück bei Wartenburg, da sind wir gerade dabei, die Zufahrtsstraßen zu machen“, erklärt Bürgermeister Seelig. Für den Fall der Fälle gibt es im Stadtgebiet seit neuestem eine Wasserwehr, die unter tatkräftiger Hilfe von LHW-Flussbereichsingenieur Jörg Herrmann aufgebaut wurde. In ihr sind 26 Ehrenamtler aktiv.
 
Minister Aeikens lobt den Bau. „Wir haben seit 1990 viel im Bereich Hochwasserschutz erreicht. Und das machen wir auch gern, damit die Menschen hinter den Deichen sicher leben, ihr Hab und Gut geschützt ist“, erklärt er. Damals hätten nur fünf Prozent der Deiche den DIN-Normen entsprochen, heute seien es immerhin mehr als die Hälfte. „Der Schlachtplan bis 2020 sieht noch weitere Investitionen in Höhe von 700 Millionen Euro vor.“ - Dabei sollen nicht nur Deiche erhöht, sondern es soll auch den Flüssen mehr Raum gegeben werden.
 
Für die Sanierungs- und Ertüchtigungsarbeiten am Dabruner Deich wurde das gesamte Bauwerk quasi einmal geschält. Der feste Kern aus Lehm musste nachverdichtet werden, auf der Wasserseite wurde dann eine Dichtung eingezogen, die ebenfalls aus Lehm besteht. Insgesamt wächst der Deich in Höhe und Breite: Auf seiner Krone ist eine drei Meter breite horizontale Fläche. Auf der Landseite wird gegen den enormen Wasserdruck mit Kies abgestützt. Nach einem Filter folgt ein Schotterband. Hier kann durchdringendes Wasser den Deich leicht verlassen, da ein solches Bauwerk nie zu 100 Prozent dicht ist.

 
 
 
Erdbewegungen um gut einen Kilometer Deich bei Dabrun zu ertüchtigen
Entnommen aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 19. Juni 2015
 
-Rund 40.000 Kubikmeter an Bodenbewegung (Abtragen eines Teiles des Altdeiches und Oberboden)
-Neu verbaut werden 35.000 Kubikmeter Stützmaterial (aus der Grube bei Köplitz) für die wasser- und landseitige Verstärkung.
-2.000 Kubikmeter Filter (Kies) aus Liebersee
-15.000 Kubikmeter Dichtungsmaterial (Lehmmischung aus einem alten Deich bei Breitenhagen)
-6.000 Tonnen Wasserbausteine für den Deichfuß
-4.000 Quadratmeter Deichwegebau ist für das erneuerte Bauwerk
-5.000 Quadratmeter neuer Rasen angesät

 
 
Gegen die nächste Flut
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 19. Juni 2015
 
Eine Staubfahne zieht über die Baustelle bei Dabrun, obwohl nicht einmal eine der Maschinen dort in Betrieb ist.
 
„Es ist zu trocken“, sagt Jörg Herrmann. „Wir müssen bei der Einbaudichtung schon wässern.“ Zuviel Nässe mag der Deichbauer nicht. Aber zu trocken ist auch nicht gut, weiß der Flussbereichsingenieur beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Vor allem die Anschlussstellen an vorhandene Abschnitte, wo beide Abschnitte überlappend miteinander verbunden werden, sollen dem übrigen Deichkörper an Stabilität in nichts nachstehen.
 
Seit April ist ein etwa 1.100 Meter langer Abschnitt zwischen dem „Zehn-Ruten-Kolk“ und dem Dabruner Weinberg im Bau. Dafür wird der Oberbau vom Altdeich abgeschält, die Lehmmischung im Kern nachverdichtet. Darauf wird neu aufgebaut: Auf der Wasserseite wird die abgedichtete Zone mit Auelehm nach unten gezogen. Der Deich insgesamt wird erhöht und verbreitert (die neue Krone misst drei Meter Breite), sie erhält auf der Landseite einen gepflasterten Deichverteidigungsweg auf der so genannten Berme (das horizontale Stück am Deichkörper) und dahinter einen Filter aus Kies. „Dicht, hoch undurchlässig, weniger undurchlässig, durchlässig“, beschreibt Herrmann die simple Schichtung von der Wasser- zur Landseite. Was heißt, dass das Wasser möglichst bleiben soll, wo es ist. Was aber davon durchkommt, soll möglichst schadlos auf die andere Seite kommen. Denn „es gibt keinen hundertprozentig dichten Deich“, so der Experte. Dafür werden riesige Mengen an Material verbaut. Anwohner in den nahe der Baustelle gelegenen Orten müssen für die Zeit der Deichsanierung mit dem Lkw-Verkehr leben. Das Verständnis sei groß, lobt Herrmann. „Wir hatten im Vorfeld mit den Kommunen, Landwirtschaftsbetrieben einschließlich der Kirchengemeinde Rackith eine Top-Abstimmung.“ 250 bis 280 Lkw täglich fahren zuweilen. „Wir konzentrieren uns auf Massentransporte“, so Oberbauleiter Sven Zarmer vom Unternehmen Willi Meyer GmbH in Berlin. Soll heißen, an zwei bis drei Wochen rollt viel, dann ist wieder mehr Ruhe.
 
Auf der Baustelle ist der Aufbau derzeit gut erkennbar, deshalb hat Herrmann jüngst mit der Feuer- und Wasserwehr den Rohbau begangen. Ganz wird der alte Deichverlauf übrigens nicht beibehalten. Ein kleines Stück stromaufwärts des Weinbergs wird die Linie optimiert, an dieser Einbuchtung wäre Eisstau zu befürchten. „Wir sind am neuen Ort auf eine Befestigung gestoßen, ein altes Deckwerk, das keiner kannte“, berichtet er von einer Überraschung.
 
Eine mögliche andere haben die Deichsanierer noch ausgelassen. Zwischen dem im Bau befindlichen und dem bereits sanierten Stück in Richtung Melzwig fehlen noch etwa hundert Meter. Dieser Bereich wird erst einmal ausgelassen. Hier unterqueren eine Gas- und drei Mineralölleitungen den Deich. „Wir würden die Leitungen nicht tangieren, aber der Betreiber hat ein Problem mit dem neuen Überbau“, erklärt der Flussbereichsingenieur. Das unsanierte Stück störe jedoch nicht.
 
„Es ist gut erreichbar und auch zu verteidigen“, macht er sich keine allzu großen Gedanken deswegen. Der Weinberg selbst hat keinen Deich. „Er ist eine eiszeitliche Binnendüne“, erläutert Herrmann eine geologische Besonderheit. Die große Masse macht ihn trotz der Wasserdurchlässigkeit recht stabil. Die Deichabschnitte stoßen an die Erhöhung an. Ihn zu Umspunden wäre ein weiteres großes Projekt, das derzeit keiner angehen mag. Bleiben nur die Biber als unerwünschte Bewohner.
 
An den sanierten Stellen wird versucht, mit Gitter und Steinschüttungen den „Einzug“ zu verhindern. Zudem werden Rettungshügel angelegt. Bereits in Planung durch das Ingenieurbüro WTU in Liebenwerda ist der Abschnitt zwischen Ortsausgang Melzwig in Richtung Rackith. „Ich gehe davon aus, dass er nächstes Jahr gebaut wird“, hofft Herrmann, dass dann das Geld zur Verfügung steht.
 
Derzeit werde die Ausführungsplanung überarbeitet, der 2,7 Kilometer lange Abschnitt wird noch einmal unterteilt. „Für den ersten Teilabschnitt haben wir schon mit den Archäologen gesprochen“, sagt er. „Damit haben wir dann nächstes Jahr dort auch Baufreiheit.“

 
 
 
Ab Ende Juli 2013 geht’s weiter - der nächste Abschnitt wird in Angriff genomen.
 
Deichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in Dabrun
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Reichlich Streusand für den Winter
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 22. Juli 2013
 
Seit Montag wird der Deich am Dabruner Bogen von Sandsäcken beräumt. Die Landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft in Melzwig unterstützt die Arbeiten mit Technik. Zusätzliche Helfer hat Kembergs Bürgermeister Torsten Seelig (CDU) übers Jobcenter in Wittenberg angefordert, die per Hand zupacken, wo man mit der Technik nicht hinkommt. Die Kosten werden im Rahmen der Flutbeseitigung vom Land übernommen, so Seelig.
 
Von den schätzungsweise 100.000 Sandsäcken, die den Deich während des Juni-Hochwassers erhöhten, müssen jetzt noch etwa 60.000 abgefahren werden. Die übrigen haben sich Anwohner bereits geholt. „Der jetzt abtransportierte unbelastete Sand wird wiederverwendet und wohl im Winter als Streusand dienen“, sagt Torsten Seelig. Was an Säcken und Sand jedoch mit dem Elbewasser in Kontakt gekommen ist, wird vom Abfall-Entsorger Awu auf zentrale Deponien gebracht.
 
Einige Tage wird der Einsatz am Deich bei Boos sicher dauern. Dann bekommt die Grasnarbe Zeit, sich wieder zu erholen. Auch bei „Zehn Ruten“ liegen noch Sandsäcke, die sollen jedoch bleiben, bis aller Voraussicht nach Anfang August dort die Sanierung des nächsten Deichabschnittes beginnt.

 
 
 
Jahrhunderthochwasser
Nach einem Starkregenereignis stieg der Elbpegel bis zum 08. Juni 2013 auf 690 cm an.
 
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Viele Aufgaben bei der Deichsanierung
Auszug aus dem Super Sonntag vom 02. Juni 2013
 
„Die Jahrhundertflut vom August 2002 liegt bald elf Jahre zurück, viele Menschen an der Elbe haben bei jedem Anstieg des Wasserstandes Angst vor einer neuen Katastrophe“, sagt der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Ulrich Petzold (CDU). Viele Bürger im Deichbereich Dabruner Weinberg bis Wartenburg fragten sich, wie es dort mit der Sanierung des 5.670 Meter langen Abschnitts weitergehe. Die Natur zeige immer wieder, wie wichtig es sei, das Gefahrenbewusstsein wachzuhalten.
 
Zusammen mit Kembergs Bürgermeister Torsten Seelig (CDU) machte sich Petzold ein Bild vor Ort. Der Deichabschnitt im Bereich Melzwig (700 Meter Länge) wurde bereits 2011 saniert, hier gab es die größten Defizite. Die Sanierung des nachfolgenden Abschnittes auf einer Länge von 850 Metern erfolgt noch in diesem Jahr. Für die Abschnitte vier bis sechs in Richtung Wartenburg (2.900 Meter Länge) liegt eine Ausführungsplanung aus dem Jahr 2006 vor.
„Probleme gibt es im Abschnitt fünf, weil hier erhebliche Eingriffe in den Naturraum notwendig sind“, berichtet Petzold. Eine Ausschwenkung von der vorgegebenen Trasse wurde durch den Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) betrachtet. Damit ließen sich die Eingriffe, aber auch die Kosten reduzieren, weil der Abschnitt verkürzt würde. Da sich die Ansichten einiger örtlicher Landnutzer geändert haben, ist diese Variante voraussichtlich schwer umsetzbar. „Wir werden die Bürger in die Planungen rechtzeitig einbeziehen“, versichert Bürgermeister Seelig. Wo es Probleme gibt, könne man über einen Flächentausch nachdenken.
 
Der Abschnitt fünf soll 2013 und 2015 nochmals beplant werden, um eine Minimierung der Eingriffe zu erreichen. „Sollten die Probleme in diesem Abschnitt nur langfristig zu lösen sein, können die jeweils rund 1.000 Meter langen Abschnitte vier und sechs auch als Teilabschnitte realisiert werden“, so Petzold.
Probleme gibt es auch im Abschnitt eins zwischen Melzwig und Dabruner Weinberg. Hier erfolgt 2014 die archäologische Prospektion und 2015 die Deichsanierung auf einer Länge von circa 1.170 Metern. „Hier haben wir große Schwierigkeiten mit den Mineralölleitungen“, erklärt Petzold. Hier seien ein grundhafter Ausbau bis zu den Leitungen sowie zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Sowohl aus technologischer Sicht als auch wegen der Kosten sei es unabwendbar, dass dieser 50 Meter lange Teilabschnitt noch nicht saniert werden kann. „Das Problem wurde vom LHW mit uns ausführlich besprochen“, bestätigt Bürgermeister Seelig.
 
Mit Abschluss der Deichsanierung zwischen Dabruner Weinberg und Wartenburg kann auf dieser Seite der Elbe der letzte Lückenschluss erfolgen. „Wir müssen alles unternehmen, um die Planungen voranzutreiben, damit der Zeitplan eingehalten werden kann“, betont Petzold. Am Geld werde die Realisierung nicht scheitern. Trotz der Forderungen von Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) nach globalen Einsparungen habe das zuständige Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt unter Minister Hermann Onko Aeikens (CDU) einen Kompromiss gefunden: „Bei der Deichsanierung und beim Hochwasserschutz wird es einen Weiterbau geben“, zeigt sich Petzold zuversichtlich. Auch wenn die Sanierung langwierig, teuer und aufwendig sei, es müsse vorangehen: „Deiche retten Leben!“
Die Flutkatastrophe im August 2002 hatte schonungslos Defizite des Hochwasserschutzes in Sachsen-Anhalt deutlich gemacht. Für Deichsanierung, Deichneubau, Deichrückverlegung und Erweiterung des Hochwasserschutzes wurden insgesamt rund 450 Millionen Euro investiert, dabei auch beachtliche Ingenieurleistungen erbracht. „Mit Hochwasser als Folge meteorologischer Ereignisse muss immer gerechnet werden“, betont Petzold, „deshalb müssen wir alles für einen nachhaltigen und vorbeugenden Hochwasserschutz tun, wohlwissend, dass es keine hundertprozentige Sicherheit vor Naturereignissen geben kann.“

 
 
 
Der ungeliebte Polder
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 25. März 2013
 
"Ich war überrascht, richtig baff“, sagt Gerhard Böhme aus Axien. Der Chef des Landguts Elbeland und Ortschaftsrat meint damit aber nicht die Ankündigung von Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU), dass sich der vorgesehene Polder-Bau nahe seines Heimatortes wegen angedrohter Sparauflagen vermutlich um Jahre in die Zukunft verschieben werde. Vielmehr erstaunt den gestandenen Landwirt, dass der Polder überhaupt noch zur Umsetzung kommen soll.
 
„Den hatte ich schon abgeschrieben“, gesteht der Axiener und macht seine Annahme an den horrenden Kosten fest, die bei Informationsveranstaltungen zum Hochwasserschutz vor anderthalb und vier Jahren in Prettin mit deutlich über 70 Millionen Euro veranschlagt worden waren.
 
Allerdings hatte Frank Friedrich, Sachgebietsleiter beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) in Halle bereits 2011 angemerkt, dass die Überflutungsfläche Axien-Mauken - eben wegen der enormen Kosten und des hohen Planungsaufwandes - nicht das Primat habe. Daher war die Realisierung dieses Vorhabens von ihm sowieso nicht vor 2020 anberaumt worden. Im Jahr 2004 gab es übrigens Zahlenmaterial, welches davon ausging, dass der Polder Axien-Mauken bis zu 3 200 Hektar groß werden und 105 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen könne. Was ausreichen solle, den Pegel der Elbe im Bedarfsfall 20 bis 25 Zentimeter abzusenken.
 
Gerhard Böhme kommentiert den wohl in noch weitere Ferne rückenden Polder am Montag nicht unbedingt traurig: „Als Landwirt kann ich mit dem Ist-Zustand im Raum Axien gut leben. Wir haben eine inzwischen sanierte und ausgebaute Deichlinie - sie ist höher und breiter - hinter der ich mich relativ sicher fühle.“
 
Dass besagter Polder nicht unbedingt sein „Lieblingskind“ darstellt, hängt mit den Einschnitten zusammen, die dessen Bau der Landwirtschaft bescheren würde: Flächen gingen ganz verloren oder wären nur noch eingeschränkt nutzbar. Und ob es eine Entschädingungsregelung für den Flutungsfall gebe und wie die dann konkret aussehe, steht ja noch völlig in den Sternen.
 
„Wenn der Hochwasserschutz an der Schwarzen Elster gestrichen worden wäre, hätte mich das mehr berührt“, erklärt Erich Schmidt (SPD) am Montag auf MZ-Anfrage. Den Polder nennt der Bürgermeister der Stadt Annaburg, zu der Axien gehört, eine zusätzliche Steuerungsmaßnahme, deren Verfügbarkeit sich auf Gebiete weiter elbabwärts auswirke und auch nicht den unmittelbaren Hochwasserschutz betreffe. „Die hiesige Bevölkerung wird nicht akut gefährdet durch den Aufschub oder Wegfall des Polders.“ Es seien ja sowieso noch viele Detailfragen offen gewesen, macht Erich Schmidt aufmerksam, zum Beispiel ob es ein gesteuerter Polder sein soll, der nur bei gefährlichen Hochwasserlagen geflutet wird, wie viele landwirtschaftliche Nutzflächen er kostet und welche Entschädigungen es für die Landwirte bei Verlust ihrer Kulturen gibt.
 
„Wir haben das mit den Sparmaßnahmen auch nur in der Zeitung gelesen“, hieß es am Montag aus dem Wittenberger Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Die Überraschung ist den Mitarbeitern anzumerken. „Wir müssen uns jetzt mit den neuen Informationen erst einmal auseinandersetzen.“ Keinen Zweifel lassen die Hochwasserschützer allerdings daran, dass die bereits beauftragten Arbeiten auch ausgeführt werden. Das betrifft in erster Linie die Sanierung und den Ausbau der Deichanlagen an der Schwarzen Elster im Bereich Klossa und Mönchenhöfe. Beantragt aber noch nicht in Auftrag gegeben seien die geplanten Sanierungsarbeiten am Elbdeich im Bereich Dabrun.
 
Die Experten weisen indes ausdrücklich darauf hin, dass gerade im Kreis Wittenberg in den vergangenen Jahren enorm viel passiert ist, um die Deiche auf Vordermann zu bringen. „Die wichtigsten Abschnitte sind gesichert.“ Während im Land rund die Hälfte der 1 300 Kilometer Deiche inzwischen saniert ist, liegt die Quote hier deutlich höher. Lediglich zwischen 20 und 30 Prozent der Deichanlagen seien noch DIN-gerecht auszubauen.
 
„Für die Elbedeiche wurde inzwischen viel Geld ausgegeben“, resümiert Otto Hering, Axiens früherer Bürgermeister, denn auch nicht unzufrieden. „Ich denke, man ist sicher hinter ihnen. Da kann Wasser kommen, wie es will. Der Polder würde noch mal eine Riesensumme kosten.“ Und er würde den Ist-Zustand aufs Neue durcheinander bringen, vor allem für die Landwirtschaft. „Deshalb sehe ich die Vertagung des Polder-Baus ganz gelassen. Wir haben hier zwar die engste Elbstelle bei Mauken und als Nicht-Fachmann kann man die Situation auch nicht immer 100-prozentig beurteilen, aber das Zurückstellen des Polders stört mich jetzt nicht. Wer weiß, ob er überhaupt noch irgendwann kommt?“

 
 
 
Mai 2012
 
Deichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in Dabrun
Deichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in Dabrun

 
 
November 2011
 
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Beruhigt in den Winter
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 05. Dezember 2011. von Karina Blüthgen
 
"Wir gehen beruhigt in den Winter, auch wenn wir noch nicht fertig sind", sagt Jörg Herrmann, Bereichsingenieur beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Der 700 Meter lange Deichabschnitt bei Dabrun, an dem seit September gebaut wird, ist seit gestern von der Wasserseite her dicht. Bis Weihnachten soll der gesamte Stützkörper fertig sein, noch schaut an einigen Stellen ein Stück der Spundwand heraus.
 
Kembergs Bürgermeister Torsten Seelig (CDU), seine Stellvertreterin Silvana Kühn und Ortsbürgermeisterin Cornelia Bachmann (parteilos) machten sich gestern vor Ort ein Bild vom Stand der Arbeiten. Die gestalten sich nicht einfach, zum Beispiel wegen einer Anzahl von Kolken. Die Wasserstellen sind zudem dafür verantwortlich, dass die Begradigung an dieser Stelle nur minimal ausfiel. Die Spundwand sei an diesem Abschnitt, zwischen Ortsausgang Melzwig bis vor die Überfahrt, nötig, um Untergrundströmungen zu puffern, erläuterte Herrmann.
 
"Der Deich ruht hier zum Teil auf Aue-Lehm", erklärte der Fachmann weiter. Wo dieser unter dem Damm weniger als zwei Meter stark ist, gibt es auf der Landseite zusätzliche Potenzial-Entlastungen, indem gezielt Gräben angelegt werden, die mit Geotextil ausgelegt und mit Steinen gefüllt sind. Damit, so Herrmann, wirke man möglichen Durchbrüchen der Schicht unter dem Deich entgegen, Überdruck werde vielmehr dadurch abgeleitet.
 
Ausgelegt wurden auf der Elbseite auch Wühlschutzmatten, um vor allem Biber davon abzuhalten, sich durch den Deich zu graben. Der Oberboden in Richtung Elbe ist ebenfalls zum Teil schon drauf. Nur die Aussaat des Rasens wird bis zum nächsten Frühjahr warten müssen. "Wir werden Jutematten als Schutz vor dem Abschwemmen aufbringen", sagte Herrmann.
 
Cornelia Bachmann und Torsten Seelig zeigten sich zufrieden mit dem zügigen Fortgang der Arbeiten, die durch das trockene Wetter begünstigt worden waren. "Am Wochenende ist hier die reinste Pilgerstätte", weiß die Ortsbürgermeisterin. Dass die Bevölkerung sehr interessiert ist, haben auch die Bauleute gemerkt. Und noch eins ist Jörg Herrmann aufgefallen: "Hier schimpft von den Anwohnern niemand." Immerhin sind bislang rund 30.000 Kubikmeter Material bewegt worden, da muss viel mit Lkw transportiert werden. Über 8.000 Tonnen Steine wurden angefahren, dazu 2.000 Kubikmeter Dichtungsmaterial. Baustoffe des alten Deiches wurden umgesetzt und werden wiederverwendet. "Finanziell ist der größte Teil der eingeplanten 1,5 Millionen Euro schon abgerechnet", sagte Herrmann. "Insgesamt kommen wir fast mit einer Punktlandung hin."
 
Im nächsten Jahr soll, wenn die Finanzierung steht (Dabrun steht ganz oben auf der Prioritätenliste), zügig weitergebaut werden. Dann kommen zuerst die etwas über hundert Meter stromabwärts mit einer Überfahrt und einigen Energieleitungen dran, von denen die älteren neu überbaut werden müssen. Diesen Teil hatte man dieses Jahr noch ausgespart, um angesichts der fortgeschrittenen Jahreszeit zügig bauen zu können. Weitere Bereiche sollen zudem von den Archäologen voruntersucht werden. Vorliegende Planungen werden außerdem aktualisiert.
 
Zuletzt wurde der Deich übrigens um 1860 erneuert, da hatten die Bauern der Umgebung das Material mit Ochsenkarren heran geschafft. "Was wir jetzt bauen, soll über 200 Jahre Bestand haben", ist Jörg Herrmann optimistisch.

 
 
 
Deichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in DabrunDeichsanierung in Dabrun

 
 
Sanierung Dabrun-Wartenburg
 
Baubeginn 39 KW 2011
Auftraggeber Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft SA
Ausführende Firma Johan Bunte Bauunternehmung GmbH & Co.KG, NL Genthin
1. Bauabschnitt Zehn Ruthen und Höhe Überfahrt Agrargenossenschaft - ca. 800 m
Baustellenzufahrt landwirtschaftliche Weg in Richtung "Zehn Ruten"

 
 
Beginn am Schwachpunkt
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 15. Juli 2011. von Karina Blüthgen
 
Schneller als erwartet kann ein Teil des Deiches bei Dabrun-Melzwig saniert werden. Mitte September könnte Baubeginn für einen etwa 800 Meter langen Abschnitt sein, hofft Jörg Herrmann, Flussbereichsingenieur des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Sachsen-Anhalt. "Das ist ein hohes Ziel", so Herrmann, denn der Abschnitt soll im Dezember wieder geschlossen sein.
 
 

 
Erster Bauabschnitt. Kartengrundlage Google Maps

 
Viele kleine Bögen
 
Dieser erste Bauabschnitt wird von südlich des Teiches "Zehn Ruten" bis zur Deichüberfahrt reichen, ein Schwachpunkt des Deiches.
 
"Alles, was uns bremsen könnte, wird umgangen." Jörg Herrmann Flussbereichsingenieur
 
Der verläuft hier, durch frühere Brüche bedingt, in vielen kleinen Bögen. "Alles, was uns bremsen könnte, wird umgangen", sagt Herrmann. Das betrifft Hochspannungsleitungen und einen Graben bei "Zehn Ruten", der vor einem Weiterbau verlegt werden muss. Jörg Herrmann weiß auch: "Auf die Kommune kommt einiges zu." Zehntausende Kubikmeter Material müssen zur Baustelle transportiert werden: über einen landwirtschaftlichen Weg in Richtung "Zehn Ruten" und Kanabude, auf der anderen Seite vom Landwirtschaftsbetrieb vom Ortsausgang Melzwig her. "Es wird stauben, es wird schlammig, wenn wir bauen", kündigt er an. "Aber wir müssen durch die Ortslage durch."
 
Benutzte Wege werden immer wieder in befahrtüchtigem Zustand hergestellt. Sie würden schließlich für einen nächsten Bauabschnitt wieder gebraucht, betont der Flussbereichsingenieur. Ganz zum Schluss werde der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. "Wir hoffen, die größten Sorgen dämpfen zu können, aber es muss weitergehen", sagt Herrmann. Dass man um viel Verkehr, Dreck und Lärm nicht herumkommt, sieht auch die Dabruner Ortsbürgermeisterin Cornelia Bachmann (parteilos): "Aber wir wollen ja, dass der Deich saniert wird."
 
Kontakt zu Eigentümern
 
Vor zwei Wochen habe der LHW den Auftrag für diesen ersten Abschnitt bekommen (insgesamt sind sechs Kilometer Deich bei Dabrun bisher nicht saniert), die Planungen aus dem Jahr 2006 sind bereits aktualisiert. Archäologische Untersuchungen in dem Bereich sind erfolgt. "Die Grundeigentümer, mit denen früher schon gesprochen worden war, werden alle erneut angeschrieben und ihr Einverständnis zum Betreten der Flächen abgefragt", kündigt Jörg Herrmann an. Die Stadt Kemberg habe ihr Einverständnis bereits gegeben.
 
Mehr Höhe, mehr Breite
 
Gebaut wird nach dem Standard, der nach dem Hochwasser 2002 errechnet wurde, also die Deichhöhe einen Meter über dessen Höchststand. Allerdings wird der neue Deich viel breiter, allein drei Meter beträgt die neue Kronenbreite. 200 Meter Spundwand werden an einer prekären Stelle den Untergrund vor Durchströmung schützen. "Das Grundwasser regeln wir damit nicht", fügt Herrmann hinzu.
Auch der Kemberger Bürgermeister Torsten Seelig (CDU) ist froh, dass es bald losgeht. Seiner Bitte, zwei Wochen vor Baubeginn die Einwohner in einer öffentlichen Sitzung zu informieren, stimmt Herrmann zu. Dieser hatte am Dienstag dem Ortschaftsrat in einer nichtöffentlichen Zusammenkunft die Pläne vorgestellt. Das Geld für den Deichbau, 1,1 Millionen Euro, kommt übrigens aus dem Fonds Agrar- und Küstenschutz. "Mir ist egal, wo es herkommt", meint Seelig. "Hauptsache, wir können anfangen zu bauen."

 
 
 
Instandsetzung des Abschnittes Booser Bogen - Dabrun 2003-2005
Technische Beschreibung
 
- Kosten ca. 4.100.000,00 €
- Erhöhung des Deiches auf 1,0 m über dem Hochwasserstand 2002
- Spundwanddichtung und Steinschüttung im Bereich der Scharlage
- Erneuerung der Deichscharte bei Boos
- Neuanlage einer Hochwasserschutzwand auf dem Dabruner Weinberg
- Neuprofilierung der Böschungen
- wasserseitige Dichtungsschicht aus Auelehm
- Radweg / Skaterstrecke auf der Deichkrone, Streckenlänge ca. 1 km
- Gesamtläge: 2.470 m
 
 
 
Am Montag fällt Startschuss
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 25. März 2004
 
Spielen Wetter und Pegelstand der Elbe mit, wird am Montag der erste Bauabschnitt der Deichsanierung nebst Kreisstraßenneubau zwischen Pratau und Dabrun in Angriff genommen. Das 1,4 Kilometer lange Teilstück reicht von der Ortslage Pratau bis zum so genannten Booser Bogen. Weil der neue Damm mehrere Meter landeinwärts wandern wird, muss auch die Kreisstraße eine neue Trassenführung erhalten. Mit Beginn der kombinierten Baumaßnahme, Kostenpunkt rund 2,4 Millionen Euro, wird die Straße zwischen Pratau und der Ortslage Boos voll gesperrt.
 
Ohne Komplikationen könnte die bauausführende Firma aus Halle im Herbst dieses Jahres fertig sein.
 
"Für die Verkehrsteilnehmer wird es Einschränkungen geben. Wir versuchen aber, die Belastungen so gering wie möglich zu halten", sagte Deddo Lehmann, 2. Beigeordneter des Landkreises. Autofahrer und Busse werden über Rackith zur B 182 umgeleitet, für Lkw ist eine Route über Globig und Wartenburg vorgesehen. Wer den Bus benutzt, muss mit längeren Fahrzeiten rechnen. "Wir stellen selbstverständlich sicher, dass Schulkinder pünktlich ihren Unterricht erreichen", so Lehmann. Ab April gibt es einen neuen Busfahrplan.
 
Der Hochwasser-Schutzwall selbst wird nach der Sanierung nicht mehr wiederzuerkennen sein. "Der Deich stammt in seinen Grundzügen aus dem Mittelalter, wurde zuletzt 1880 und 1930 ausgebessert. Messungen haben ergeben, dass er nicht mehr sicher ist", informiert Jörg Herrmann vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Der neue Damm wird wesentlich breiter, im Schnitt zwischen 70 Zentimetern und einem Meter höher. Bezugspunkt ist auch hier das Jahrhunderthochwasser 2002. Auf der drei Meter breiten Krone soll ein asphaltierter Radweg verlaufen. Die angrenzende Kreisstraße dient dabei als Stütze, wird selbst 1,5 Meter höher gelegt. Für den zweiten Bauabschnitt von Boos bis Dabrun laufen schon die Planungen. Lässt es das Wetter zu, soll es nahtlos weitergehen. Nur der Booser Bogen wird vorerst so bleiben, wie er ist. "Der Deich ist in diesem Bereich standsicher. Wir müssen uns vorrangig um die Stellen kümmern, die marode sind", stellte Herrmann klar.