Wahlen
Bürgermeisterwahl der Stadt Kemberg
29. November 2009. Stichwahl 13. Dezember 2009 (Seelig 52.41%. Beck 47.6%)
 
 
Torsten Seelig gewinnt Stichwahl in Kemberg
Kreisverband der CDU
 
Torsen Seelig konnte sich bei der Stichwahl am 13.12.2009 in Kemberg gegen die Mitbewerberin Heike Beck (SPD) durchsetzen. Mit 52.41% der abgegeben Stimmen wird Torsten Seelig der erste Bürgermeister der neu gebildeten Einheitsgemeinde Kemberg sein. Seelig, der bisher Leiter der Verwaltunggemeinschaft Kemberg war, freut sich auf seine neu Aufgabe und versicherte noch am Abend der Stichwahl, immer ein Offenes Ohr und eine offene Tür für alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Kemberg mit all ihren Ortsteilen zu haben.
Die Stichwahl war nötig geworden, als im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen konnte. Torsten Seelig erhielt im ersten Wahlgang 27.3 % der Stimmen, Heike Beck erhielt 24,55%. Insgesamt standen beim ersten Wahlgang acht Kandidaten zur Wahl.
 
 

Stimmverteilung [%]:      Hauptwahl    Stichwahl

 
  Hauptwahl am 29 Nov 2009 Stichwahl am 13 Dez 2009
Ergebnisse Anzahl Prozent Anzahl Prozent
  1  Beck, Heike 1000 24.6  1549 47.6  
  2  Bormann, Wolfgang 608 14.9
  3  Eltner, Enrico 123 3.0
  4  Fümel, Reinhard 468 11.5
  5  Klopotowski, Rolf 431 10.6
  3  Neumann, André 285 7.0
  4  Seelig, Torsten 1112 27.3 1706 52.4
  5  Wartke, Jörg 47 1.2

 
  Hauptwahl am 29 Nov 2009 Stichwahl am 13 Dez 2009
Statistik Anzahl Prozent Anzahl Prozent
  Wahlberechtigte 9833 9828
  Wähler/Wahlbeteiligung 4105 41.8 3278 33.4
  Ungültige Stimmen 31 0.8 23 0.7
  Gültige Stimmen 4074 99.2 3255 99.3

 
 
Seelig und Beck liegen fast gleichauf - Bürgermeisterwahl: Erfahrener Verwaltungschef und Stadträtin müssen in den Zweikampf
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 29. November 2009
 
Noch ist nichts entschieden im künftigen Kemberger Bürgermeisterbüro. Verwaltungsamtsleiter Torsten Seelig, der für die CDU antritt, und SPD-Stadträtin Heike Beck werden sich in der Stichwahl am 13. Dezember wiedersehen. Bei der Zahl von acht Bewerbern um das Amt des künftig hauptamtlichen Bürgermeisters von Kemberg rechneten schon im Vorfeld viele Helfer in den Wahlvorständen damit, dass es zur Stichwahl kommen werde. Und auch Bürger, mit denen die MZ vor den Abstimmungslokalen ins Gespräch kam, gingen davon aus, diesen Gang in zwei Wochen erneut anzutreten.
 
Um den Platz auf dem Bürgermeistersessel sofort zu beanspruchen, hätte ein Bewerber mehr als die Hälfte der Stimmen erhalten müssen. Davon sind beide weit entfernt. Alle anderen sechs Kandidaten landeten weit abgeschlagen.
 
Bis zum Mittag ließ sich die Wahlbeteiligung allerdings recht schleppend an. Manuela Schwarz vom Kemberger Verwaltungsamt sprach von durchschnittlich 20 Prozent zur Halbzeit. Lediglich in Schleesen registrierten die Frauen hinter dem Schreibtisch deutlich mehr Haken auf ihren Wählerunterlagen, als sie zuvor selbst für möglich hielten. Am bereitstehenden Kaffee und duftender Stolle kann es kaum gelegen haben. "Es hatten alle schon gefrühstückt", erfuhr die MZ bei ihrem Besuch im Wahllokal. Dennoch - wer wollte, hätte sich laben können.
 
Während sich die Frauen vom Wahlvorstand verständlicherweise mit Meinungen zur Eingemeindung zurückhielten, wurde man im Feuerwehrgerätehaus schon deutlicher. Es sei doch schwer, die Eigenständigkeit aufzugeben, meinte Bianka Schulz. Sie ist nicht nur Jugendgruppenleiterin bei der Schleesener Feuerwehr, sondern auch Gemeinderätin. Eine Stadt zu werden, "wird lange dauern", meinte sie. Damit es schneller geht, kämpfe man um Neuwahlen für den Kemberger Rat. Damit die neuen Ortsteile auch ihre Vertreter darin haben. "Das geht aber nur, wenn der jetzige Stadtrat geschlossen zurücktritt", erklärte sie. Eigentlich hätte Schleesen zu Gräfenhainichen gewollt, so ihre Feuerwehrkameraden Steffen Grundmann und Hans-Jürgen Pannicke. Die frühere Kreisstadt sei für die Schleesener das eigentliche Zentrum für Arztbesuche, Einkauf und vieles mehr. Doch dann hätte Kemberg zu viele Einwohner eingebüßt, meint Pannicke. Allein 431 Wahlberechtigte waren am Sonntag zur Abstimmung gerufen worden.
 
Jemand aus Kemberg müsste es schon sein, der künftig die Geschicke leitet. Da waren sich Axel Klinger und Wolfgang Kursawe einig, die gemeinsam mit ihren Frauen gerade ins Wahllokal in Kembergs Innenstadt mochten. Klinger habe gar das Gefühl, "dass das Bürgerinteresse an der Wahl so groß war, wie noch nie". Das mag, schlussfolgerte er, an der Vielzahl von Bewerbern liegen. Genau das ist auch der Grund, warum Kursawe diese Wahl "sehr interessant" fand. Denn auch künftige Ortsteile hätten bekanntlich eigene Kandidaten aufgestellt.
 
Gedanken um die Folgen von Eingemeindung oder nicht müssen sich die Einwohner von Globig und Dorna nicht mehr machen. Sie haben vor knapp Jahres- und Zweijahresfrist diesen Weg schon freiwillig angetreten. Und so registrierten der Globiger Ortsbürgermeister Gerhard Schulz und seine Dornaer Amtsschwester Martina Ritter eine ganz andere Art von Problem: In ihren Orten stellten sich die Kandidaten nicht vor und so hätten einige Wähler der älteren Generation zum Teil Schwierigkeiten, sich zu entscheiden. Eben, weil sie einige der acht Kandidaten gar nicht kannten.
 
Eine Wählerin in Radis, für deren Tochter es gleichzeitig die allererste Wahl war, nahm ihre Entscheidung, wie sie nach dem Urnengang erzählte, keineswegs auf die leichte Schulter. Auch sie kannte nicht alle der Bewerber. Aber sie hatte sich am Vorabend bei Freunden informiert. Dadurch hatte sie dann doch einen anderen ins Kalkül gezogen, als sie zuvor schon im Blick hatte. Namen nannte sie jedoch generell nicht.

 
 
Kandidaten
 
Beck Heike SPD
Bormann Wolfgang
Eltner Enrico
Fümel Reinhard Linke
Klopotowski Rolf
Neumann André
Seelig Torsten
Wartke Jörg

 
 
Samthandschuhe blieben außen vor Bürgermeisterwahl: Bewerber stellen sich in Kemberg erstmals den kritischen, aber auch persönlichen Fragen
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 06. November 2009
 
Aller Anfang ist schwer, sagt der Volksmund. Das galt auch für die erste Vorstellungsrunde der acht Kandidaten, die künftig den Chefsessel der Einheitsgemeinde Kemberg besetzen wollen. Es war ein Abend mit Nervosität, etliche Besucher machten ihren persönlichen Befindlichkeiten gegenüber den Kandidaten oder dem neuen politischen Gebilde "Kemberg" gegenüber Luft.
 
Der Saal der Kemberger "Goldene Weintraube" war am Donnerstagabend gut gefüllt, das Publikum aus Kemberg und angrenzenden Orten gespannt, wie sich die Bewerber vor den Wählern präsentieren würden. Ohne Zeitlimit ging es in der ersten Stunde darum, sich vorzustellen und Ziele zu benennen. Und das taten die Kandidaten auf sehr verschiedene Weise und in unterschiedlicher Ausführlichkeit.
 
Kür der Kandidaten
 
Heike Beck (SPD) legte den Schwerpunkt ihrer Ausführungen auf ihre bisherige Arbeit im Stadtrat und in Vereinen. Sie habe Erfahrungen, was Zusammenlegungen betreffe, sagte sie mit Blick auf die Schulfusionen, die hatten stattfinden müssen. Bei den nun folgenden Eingemeindungen solle das Besondere der Orte erhalten bleiben, sagte sie. "Kemberg in der jetzigen Form wird es künftig nicht mehr geben", machte Einzelkandidat Wolfgang Bormann deutlich. Einen solch bedeutenden Einschnitt in Gemeindestrukturen habe es zuletzt 1953 gegeben, die Situation sei, obwohl rechtlich sauber, doch "emotional schwierig". Er stehe für Konsequenz und Realismus.
 
Die Tätigkeit eines Bürgermeisters sei vor allem die eines Verwaltungsmanagers, erklärte Einzelkandidat Enrico Eltner. Doch sollten Bürger stärker an Entscheidungen beteiligt werden, die sozialen Strukturen in den künftigen Ortsteilen erhalten bleiben. Ein Radwegenetz zwischen den Ortsteilen solle entstehen, und mit erneuerbaren Energien (Solarzellen, Stadtwald) müssten die Einnahmen der Stadt verbessert werden. Von gegenseitigen Ängsten und Befindlichkeiten zwischen Kernstadt und Gemeinden sprach Reinhard Fümel (Linke). "Wir sollten gleichwertige Partner sein." Dafür bedürfe es der Analyse von Stärken und Schwächen in den künftigen Ortsteilen. Fümel nannte den Tourismus einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor für die Stadt.
 
Schulen und Kindergärten müssten Bestand haben, nannte Einzelbewerber Rolf Klopotowski einen seiner Schwerpunkte. Die Zusammenarbeit der Orte müsse "auf Augenhöhe" geschehen, neben dem Tourismus sollten auch dem Gewerbe und vor allem in der Elbaue der Landwirtschaft größere Chancen gegeben werden. André Neumann (FDP) nannte die Bildung der Einheitsgemeinde einen Neuanfang. Kindergärten, Schulen und Vereine seien tragende Säulen, Treffen mit Gewerbetreibenden solle es künftig häufiger geben ebenso wie Bürgerversammlungen. "Ziel ist es, die Gemeinden nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich zusammenzuschmieden", erklärte er.
 
Auch Torsten Seelig (CDU) würde im Falle der Wahl stark auf gewachsene Strukturen in den Orten setzen, die zu einer Einheit entwickelt werden sollen. Nachwuchsarbeit in den Vereinen und ein Investitionsplan für die nächsten Jahre stehen bei ihm mit obenan. Einzelbewerber Jörg Wartke vermisst Wege, die den Bürger bei den Kosten entlasten. Außerdem "stellen sich immer die gleichen Leute zur Wahl, das stinkt mich an".
 
Verschiedene Schwerpunkte
 
Es war interessant, wie die Kandidaten mit den Präferenzen ihrer Mitbewerber umgingen. Setzte Enrico Eltner auf Solarenergie, nannte Torsten Seelig diese "unausgereift". Mochte Heike Beck von Kemberg als Wohnstadt sprechen, in der die Leute ihre Kinder in wohlbehüteter Umgebung aufziehen und anderswo arbeiten, kam das Kontra von Reinhard Fümel, der Gewerbe und Industrie stärker befördern möchte. Einig war man sich, dass ein künftiger Bürgermeister relativ wenig Möglichkeiten habe, Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Aber man könne sie zumindest befördern. Die Diskussion mit den Bürgern gestaltete sich zuweilen mühsam. Ob die Frage an Heike Beck, wie lange sie zahlendes Mitglied der SPD ist, oder an Wolfgang Bormann, wie es 2011 mit der Abwasserentsorgung weiter geht, wirklich bei den Bürgern zur Entscheidungsfindung beiträgt, blieb offen. Vor allem Verwaltungsamtsleiter Seelig, Stadträtin Beck und Abwasserzweckverbands-Geschäftsführer Bormann waren zuweilen eher Zielscheibe als Gesprächspartner. Und noch ein Punkt war überraschend. Es waren vor allem die Kemberger selbst, die die Arbeit in der Kernstadt kritisch bewerteten. Nicht eingehaltene Beschlüsse wurden angesprochen, der Umgang mit den jetzt schon bestehenden Ortsteilen und eine mögliche Selbstauflösung des Stadtrates mit Neuwahl.
 
Visionen für die Stadt
 
Von daher war die Frage, welche Visionen es für das neue Kemberg vom künftigen Bürgermeister gibt, schon hochinteressant. "Reden sie doch Kemberg nicht schlecht. Es ist doch viel in der Vergangenheit geschehen", meinte Bormann. Dass das Leben nicht von oben verordnet werden könne, befand Eltner. "Es gibt genug Leute, die Visionen haben", sagte Jörg Wartke. "Die sollten sich finden und zusammensetzen. Die Bürger sind hier mehr gefordert als der Bürgermeister." Da war sich dann das Publikum einig und spendete Beifall."