Poller
Mittlerweile - seid 2009 - sollte die Strecke Dabrun-Pratau Pollerfrei sein.
 
 

 
Foto: © Achim Kuhn. MZ 19.11.2008

 
 
Poller-Gefahr in einer herrlichen Landschaft
Auszug aus der Mitteldeutsche Zeitung vom 19. November 2008
 
"... Aua! Passen sie doch ein bisschen auf! Schon wieder versetzt mir ein Radler einen Stoß. Ich bin zwar aus Eisen, aber das muss doch nun wirklich nicht sein. Gestatten: Poller. Ich stehe hier inmitten des Radweges auf dem Deich zwischen Pratau und Dabrun und soll verhindern, dass Kraftfahrzeuge diesen Weg nutzen. Das ist, zugegeben, eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wenn auch zuweilen richtig langweilig. Wären da nicht die herrliche Landschaft mit der Elbe - ich habe von hier oben einen tollen Ausblick - und die munteren Radtouristen, ich käme mir ziemlich verloren vor. Schließlich kann ich ja nicht einfach zu meinem Kollegen an der nächsten Auffahrt schlendern.
 
Vorsicht! Huch, gerade noch mal gut gegangen. Beinahe hätte mich die nächste Radlerin erwischt. So wie Ende September, gegen Mittag. Die Sonne stand aber auch wirklich tief. Da hat mich die Wittenbergerin Angelika Grünhardt einfach nicht gesehen. Klar, im Vergleich zur Landschaft bin ich ja nun nicht direkt eine Schönheit. Au wei, Frau Grünhardt ist über mich schlimm gestürzt. Einige starke Prellungen, Schürfwunden und Hämatome musste sie behandeln lassen. Ihr Mann und zwei Autofahrer, die unten auf der Straße angehalten hatten, leisteten Erste Hilfe, bis der Rettungsdienst kam. Noch heute hat sie Beschwerden durch die Verletzungen.
 
Dabei ist sie keineswegs die erste, die an meinem eisernen Korpus hängen blieb. Heide Gerber aus Dabrun ging es einen Monat zuvor nicht anders. Und noch am Unfallort hier hielt ein Radfahrer aus Melzwig an und erzählte Angelika Grünhardt, er selbst und etwas später auch sein Nachbar seien ebenfalls mit mir kollidiert. Ich kann mir Gesichter so schlecht merken. Der Melzwiger sagte noch, er kenne weitere Leute, die bei ihren Pollerkarambolagen sogar schwere Verletzungen erlitten. Viele, die sich im Nachhinein an die Wittenbergerin wandten, nannten weitere Namen. So dass sich Angelika Grünhardt schließlich mit einem Brief an den Landkreis, die Polizei und den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) wandte.
 
Ob ihre Vermutung, "dass bereits mehr als hundert Fahrradunfälle durch die gefährlichen und unnötigen Poller" verursacht wurden, richtig ist, weiß ich nicht. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Dass aber zeitweise eine Menge Fahrradteile um mich herum liegen, wie Angelika Grünhardt meint, muss ich schon bestätigen. Sie erwartet nun in ihrem Brief "eine umgehende Beseitigung dieser lebensgefährlichen Unfallquellen".
 
Ronald Gauert, der Sprecher des Landrates, bestätigte inzwischen, dass sich die Kreisverwalter mit der Sache beschäftigen. "Solche Unfälle sind bedauerlich und für die Betroffenen auch ärgerlich", räumt er ein. Der Kreis ist verantwortlich für den Weg, der Teil des Radwegenetzes ist. Und der LHW für den Deich. "Wir hatten zugestimmt, dass der Radweg aus Platzgründen auf die Deichkrone verlegt wird", bestätigt Frank Beisitzer, Chef des hiesigen LHW-Flussbereiches. Gauert sieht allerdings eine Symptomatik darin, "dass Unfälle sich nur auf den Radwegen häufen, die auf der Deichkrone verlaufen". Für ihn ist das ein Indiz, dass die Radler hier eben die herrliche Aussicht genießen und weniger auf die Poller achten. Dennoch, der Kreis sei mit dem LHW im Gespräch, um eine Lösung zu suchen.
 
Mich und meine Kollegen einfach wegzuräumen, kommt für ihn jedoch nicht in Frage. Immerhin erfüllen wir ja einen wichtigen Job. Eine Möglichkeit wäre vielleicht, meint er, vor und nach uns Pollern einen anderen Straßenbelag aufzuspritzen, der uns quasi rüttelnd ankündigt. Hoffen wir, dass es bald zumindest eine Lösung gibt. Denn meine Beulen und Schrammen können nicht einmal verheilen. ..."